Bildungsfonds

Studienfonds als Alternative zum Studienkredit

Bildungsfonds (auch Studienfonds genannt) finanzieren sich über private Geldgeber bzw. institutionelle Anleger. Sie verhelfen ausgewählten Studierenden zu einem schnelleren, fokussierteren Studium. Denn es können sowohl Studiengebühren als auch Lebenshaltungskosten und Auslandsaufenthalte finanziert werden. Die Rückzahlung beginnt erst nach erfolgreichem Start ins Berufsleben und erfolgt einkommensabhängig. Innerhalb einer vorab festgelegten Zeitspanne zahlen die Förderungsnehmer einen individuell berechneten, prozentualen Anteil ihres Bruttogehalts an den Bildungsfonds zurück. Diese Art der Studienfinanzierung ist besonders gut kalkulierbar und schützt vor Überschuldung. Denn Studierende zahlen erst ab dem Jobstart zurück. Die maximale Rückzahlung ist nach oben hin begrenzt und bei andauernder Arbeitslosigkeit wird ggf. auch gar nicht zurückgezahlt.

Studienfinanzierung Alternative zum Studienkredit

Bildungsfonds

Wie funktioniert ein Bildungsfonds?

Ein Bildungsfonds hingegen ähnelt eher einer Eigenkapital- als einer Fremdkapitalfinanzierung. Auch beim Bildungsfonds wird die Auszahlung der Darlehenssumme zeitlich gestreckt und erfolgt meist, wie beim Studienkredit, in monatlichen Raten. Allerdings wird, anders als bei einer Fremdkapitalfinanzierung mit einem Studienkredit, kein fester Zinssatz vereinbart. Stattdessen wird bereits bei der Finanzierungszusage ein bestimmter Prozentsatz des späteren Einkommens fixiert, welcher über eine definierte Anzahl von Rückzahlungsmonaten an den Bildungsfonds zurückzuführen ist. Bildlich gesprochen, gibt dabei also ein Student einen Teil seines zukünftigen „Gewinns“ aus dem Studium (Einkommen) an den Kapitalgeber ab; dieser Gewinnanteil kann hoch oder auch niedrig ausfallen. Bei einem Studienkredit hingegen schuldet der Student eine fixe Rückzahlung (Auszahlungsbetrag plus Rückzahlung), unabhängig davon, ob er überhaupt Gewinn (Einkommen) erzielt oder nicht. Für den Kapitalgeber ist es also riskanter, einen Studenten im Rahmen eines Bildungsfonds zu finanzieren, als ihm einen Studienkredit zu gewähren – für den Studenten hingegen ist der Studienkredit riskanter.

Ist die Finanzierung über einen Bildungsfonds sinnvoll?

Warum Studierende eine Bildungsfonds-Finanzierung statt einer anderen Finanzierungsform wählen, zeigte eine Befragung. Das Ergebnis: Für die meisten ist die reine Einkommensabhängigkeit der Rückzahlungsverpflichtung der Hauptgrund. So war für rund 40 % der befragten Studenten, die sich für eine Bildungsfonds-Finanzierung entschieden haben, die rein einkommensabhängige Rückzahlung ausschlaggebend. Im Vordergrund steht dabei nicht so sehr der absolut zu zahlende Preis; dieser lässt sich im Voraus bei einer einkommensabhängigen Studienfinanzierung auch gar nicht bestimmen. Vielmehr steht ja erst nach dem letzten Rückzahlungsmonat fest, ob der Studierende überhaupt einen positiven Zins bezahlt hat und wenn ja, wie hoch dieser war. Im Vordergrund steht für die Studenten, dass die relative Rückzahlungsbelastung transparent und verlässlich ist. Denn genau dieser Gesichtspunkt ist es, der das subjektiv empfundene Risiko aus Sicht der Studierenden bei einer Bildungsfonds-Finanzierung quasi auf null sinken lässt. Dadurch treten andere Eigenschaften der Bildungsfonds-Finanzierung in den Vordergrund. Hierzu gehört z. B. der Umstand, dass es ein rein leistungsorientiertes Bewerbungs- und Auswahlverfahren gibt und eben keine soziale Selektion und keine banküblichen Sicherheiten benötigt werden. Derzeit werden zwei große Formen der Bildungsfonds unterschieden:

Woher kommt das Kapital?

Bei Bildungsfonds als Finanzinvestment stehen private sowie institutionelle Investoren (z. B. Banken, Stiftungen, Versorgungswerke) im Hintergrund, die ihr Kapital zur Verfügung stellen und auf eine entsprechende (positive) Verzinsung hoffen. Zu den Anbietern dieser Form von Bildungsfonds gehören in Deutschland CareerConcept, Deutsche Bildung und BrainCapital. Im Ausland wird das Modell etwa von Lumni (Chile), Upstart (USA) oder Pave (USA) angeboten. Bei Bildungsfonds als Finanzinvestment werden häufig keine oder nur sehr geringe zusätzliche, über die Finanzierung hinausgehende Leistungen erbracht (z. B. „WissenPlus“ der Deutsche Bildung). Innerhalb der unternehmenseigene Bildungsfonds ist seit 2007 der Festo Bildungsfonds als ersten Vertreter dieser Art am Markt. Inzwischen ist er mit knapp 1000 Studenten genauso bedeutend wie z. B. die Angebote von BrainCapital oder der Deutsche Bildung. Er verbindet erstmals wahrgenommene unternehmerische Verantwortung im Bereich der Studienfinanzierung mit einem gezielten Angebot zur aktiven Berufs- und Karriereförderung. Das Hauptziel für den Festo Bildungsfonds war und ist es, dass kein Intellectual Capital durch persönliche Budgetgrenzen von Studenten verloren gehen darf. Das Elternhaus darf nicht über die Zugangschancen zu Bildung entscheiden. Vielmehr soll jeder, der an seine Leistungsfähigkeit und seine Zukunft glaubt und durch seine Motivation, seinen Einsatzwillen und seine persönlichen und akademischen Ergebnisse zu den Top-Performern gezählt werden kann, auch die finanziellen Möglichkeiten haben, in ein Studium oder eine weitere Qualifizierung zu investieren.

zwischen 30.000 und 40.000 € je nach Anbieter

richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Studierenden, i.d.R. bis max. 1.000 €

Studiengebühren werden komplett finanziert

Auslandsaufenthalte werden mit Einmalzahlung unterstützt bis 5.000 € – komplettes Auslandsstudium kann finanziert werden

Es wird je nach Anbieter vom ersten Semester bis hin zu Promotion und Post Doc-Forschungsprojekten eine Finanzierung angeboten

Regelstudienzeit + max. 1 Semester

Es werden nur staatlich anerkannte Studiengänge gefördert Bewerbungs- und Auswahlverfahren muß positiv durchlaufen werden und regelmäßige Leistungs- und Immatrikulationsnachweise

gibt es nicht

unmittelbar nach Berufsstart

richtet sich nach dem erzielten Einkommen

online beim jeweiligen Anbieter

Über die rein finanzielle Unterstützung hinaus bieten einige der Anbieter auch interessante, kostenfreie Zusatzservices wie z.B. Soft-Skill-Trainings, Mentoring-Programme, Coaching oder Firmenexkursionen etc. an, um bestmöglich auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Die ersten Bildungsfonds wurden in den 90er Jahren in den USA von Anbietern wie z.B. My richUncle ins Leben gerufen. In Deutschland wurden zunächst an privaten Hochschulen Bildungsfonds aufgelegt, mittlerweile gibt es aber auch bundesweite Bildungsfonds-Konzepte (z.B. von CareerConcept, der Marktführer ist), hochschulspezifische Bildungsfonds oder firmeneigene Modelle.